Krachlederne, aufgeschürfte Knie, zerzauste Haare und ein schiefes Grinsen.
Dieses Klischee schiebt sich immer vor mein geistiges Auge, wenn ich an den Generalsekretär der CSU Alexander Dobrindt denke. Seit Wochen wurde der Mann auf unzähligen Tafeln in der Umgebung von Schweitenkirchen angekündigt. Und da ich mir immer gerne direkt eine Meinung bilde und Klischees so gut es geht zurückdränge, musste ich natürlich dort hin.
Nach der Begrüßung und einigen einleitenden Worten durch Kreischef Karl Straub trat der Landratskandidat der CSU Martin Wolf ans Mikrofon.
Dieser betonte, er wolle über alle Grenzen hinweg mit allen Menschen und Parteien zusammenwirken. Seinen Ausführungen konnte man in Teilen gut folgen.
Dann kam der General ans Rednerpult. Schon nach wenigen Sätzen erkannte man, da steht das Gegenteil von Herrn Wolf.
Ein Spaltpilz übelster Sorte. Ein in der Wolle gefärbter Populist und Demagoge. Eine Rede, wie man sie nur noch aus Fernsehsendungen kennt, in denen beispielsweise Reden aus dem IRAN gezeigt werden. Wirklich übelste Hetze.
Ein Soziologe sei er aber hätte auch etwas "vernünftiges" gelernt. Das ließ einen schon aufhorchen. Richtig anstrengend wurde es aber, als er reihum bashing betrieb.
Zunächst drosch er in unsäglicher Manier auf die Linke, dann auf die Grünen in Baden-Württemberg ein. Auch Klaus Wowereit bekam sein Fett ab. Dann wurde in gleicher Weise die Klischeekiste weiter geplündert. Über die Empfänger der föderalen Bundesrepublik wurde gewettert. Dann ebenso dumpf auf Griechenland geschimpft.
Sachlich-inhaltlich BILD-Niveau. Man musste unweigerlich feststellen, dass der Mann von vielen Zusammenhängen null und nichts verstand, aber genau das tat, was er gegen Ende anprangerte. Nämlich dass es viele gäbe, die sich z.B. in Talkshows zu Wort meldeten, obwohl sie vom Thema keinen blassen Schimmer hätten.
Dass ich nicht allein dieser Auffassung war, konnte man an den vielen ratlosen Gesichtern der CSU-Anhänger erkennen.
Es wäre Herrn Dobrindt außerordentlich zuträglich, wenn er sich einmal mit den rudimentären volkswirtschaftlichen Zusammenhängen vertraut machen würde, bevor er so sinn- wie inhaltsleer über andere schwadroniert.
Nun ja, außer einem überteuerten Paar Weißwürsten und einer Radlermaß hätte man sich das Ganze getrost ersparen können.
Für den Landtagskandidaten war es jedenfalls keine Hilfe, sondern vielmehr das Gegenteil. Ich hätte mir so einen Auftritt jedenfalls verbeten oder wäre der Veranstaltung ferngeblieben. Denn das war eine massive Beleidigung jedes halbwegs vernünftigen und intelligenten Menschen.
Grausen möchte es einem, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es Bürger gibt, die solche geistigen Brandstifter und Brunnenvergifter in eine solche Position wählen.
Michael Frisch PAF