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14. Oktober 201011:00

Wer gegen wen?

Nur noch wenige Tage schlafen, dann ist es soweit: Das durchgängige Mittelmaß der herrschenden politischen Klasse und der Handel der so genannten Volksparteien mit halben Wahrheiten sowie der publizistische Streit auf niedrigem Niveau in vielen öffentlichen Medien zu Minderheiten, haben die Tür geöffnet für die „Sehnsucht nach dem großen Führer“. Zugleich ertönt der Ruf „Deutschland erwache!“ im Sinne einer Renaissance des in den Demokratien der westlichen Zivilisation verpackten Faschismus und anderer totalitärer Denkstrukturen; zumindest als literarisch missbräuchlich kreierte Parole, die Aufklärung suggerieren soll. Da angeblich viele Menschen um ihre ökonomische Existenz bangen (Wer hat die verursacht?), entwickelt sich ein tragisch-komisches Verständnis für menschliche Schwächen in den eigenen Reihen und zugleich die Forderung nach einem ethnisch homogenen Staat als effektvollen Einakter im Spiel der Nationen, gewissermaßen als narzisstisches Gesellschaftsmodell. Wie naiv und unberechtigt. Diejenigen in der Gesellschaft, die nicht Teil der Allianz der Ausgrenzungsbefürworter sein wollen und die ohne Leitkultur, ohne Rassentrennung, ohne Gewichtung von Religionen auskommen und zugleich mit der Vielfalt der Sprachen gut leben können, werden wohl im Zuge dieser Entwicklung nächstens als Vaterlandsverräter betitelt werden. Was bewirkt eine Extorialisierung von Minderheiten? Eloquentes Schweigen der Gegner von Ausgrenzung? Resignation? In der gesamten EU sind inzwischen ethnische und nationale Minderheiten, die sich von Mehrheiten durch Sprache, Rasse, Religion und soziale Zugehörigkeit unterscheiden, in Gefahr, ins Abseits gedrängt zu werden. Minderheitenrechte werden z. B. in Frankreich, Italien, indirekt auch in Deutschland umgangen oder ausgehebelt. Es herrscht Pogrom-Stimmung. Wie anders könnte man den Umgang mit Roma z. B. in Frankreich umschreiben? Wo ist deren Mutterland? Nicht zu vergessen: In Deutschland scheint tausenden Roma-Kindern die Abschiebung in den Kosovo bevorzustehen. Verwaltungspogrome?

Rolf Kaufmann

Martin Böck(martin.boeck@dielinke-ingolstadt.de)PermalinkTrackback-Link
Tags: nation, leitkultur
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