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29. November 201009:00

Historisches

Leserbrief

zum Artikel „Hochmoderne Werte“ im Donaukurier vom 29.11.2010

Wie meistens in der Geschichte der C-Parteien spielen nicht theologische Überlegungen, sondern machtpolitische, hier speziell wahlpolitische Überlegungen eine Rolle, wenn sich Parteien der Kirchen bedienen oder gar bemächtigen. Im Gegensatz zu den Kirchen haben die Parteien kein Instrument, sich ihre Wähler endgültig zu sichern. Die christliche Kirche hat mit dem Sakrament der Taufe ein unerschöpfliches Mobilisierungspotential. Sie rekrutiert ständig neue Gläubige, um diejenigen zu ersetzen, die sich von ihr abwenden, gleichgültig für Religion werden oder sterben. Dieses Potential haben politische Parteien – Gott sei Dank – nicht. Der politisch engagierte Selige Antonio Rosmini Sebati (*1797) stellte deshalb fest: „Der Mensch kann sich entscheiden zwischen verbindlichem Tun und nur so tun als ob.“ Rosmini weist in seinen Schriften darauf hin, dass er große Kälte unter den Christen beobachte, und dass diese zwar rührselig und gönnerhaft seien, aber oft nur deshalb, um fordern und Macht ausüben zu können. Der CSU liegt es jetzt anheim, auf Worte Taten folgen zu lassen in Sachen Rechtschaffenheit und Vernunft, soziale Sicherheit, Ausländerfreundlichkeit, Asyl usw. Sie betritt kein neues Terraine. Zarathustrische Priester haben vor ca. 2600 Jahren vom Reichsgründer Persiens, Kyros II. (*539 v. Chr.) die Menschenrechte erklären lassen. Die mildtätige Hl. Emma von Lesum (*um 975 n. Chr.) soll für Arbeiter und Besitzlose eingetreten sein, um deren tristes Leben zu erhellen, und für soziale Verhältnisse gekämpft haben. Der Hl. Aspreno von Neapel setzte sich für die Vielfalt der Religionen ein, damit sich kirchliche Institutionen nicht staatlicher und staatliche nicht kirchlicher bemächtigen oder mit fragwürdigen Absichten der Kirche bedienen. Und dann ist da noch die Funktion der Sprache: Sie dient den Eingebungen und dazu, ein beruhigendes Gefühl für soziale Irrtümer zu verbreiten. „Des Mangels Eingebung hat uns tausend Lügen, Schläue und die Bestrebung gelehrt, in Winkelzügen Netze zu weben.“ (Abu `L-Qasem Ferdowsi, verstorben 1020, der große persische Epiker. Buch der Könige).

Rolf Kaufmann

Martin Böck(martin.boeck@dielinke-ingolstadt.de)PermalinkTrackback-Link
Tags: partei, macht
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