Wikileaks
Leserbrief
zu den Artikeln „Wikileaks stellt US-Politik bloß“ und „Peinliches und politisch Pikantes aus der Diplomatenpost“ im Donaukurier vom 29.11.2010
Mit Verwunderung erfahre ich in den Massenmedien wie Zeitung und Fernsehen die Aufregung über die Veröffentlichung der Dokumente von Wikileaks. Es wird über sträflich „illegalen“ Datenklau seitens Wikileaks und von Gefährdung der Personen, die in den Dokumenten zur Sprache kommen, berichtet.
Man staune umso mehr, denn nicht diejenigen, die lügen und kungeln, werden als Sünder dargestellt, sondern diejenigen, die über das berichten, was eigentlich gar nicht geheim sein sollte. Wer ehrlich und offen handelt, hat nichts zu befürchten, das ist meine Meinung. Man kann sich sehr gut erinnern an Frau Ursula von der Leyen, als sie fast theatralisch die Verkündung der „Erhöhung“ der Hartz-IV-Beträge um 5 Euro verkündete, aber irgendwie ging dabei unter, dass die Empfänger eigentlich gut 29 Euro weniger in der Tasche haben wegen der gleichzeitigen Kürzung der Heizungsbeiträge und des Elterngeldes.
Diese Tatsachen, die in die moralisch „unterste Schublade“ einzuordnen sind, übertönen unsere außerordentlich gut rhetorisch agierenden Politiker sehr geschickt. Ich werde den Eindruck nicht los, dass die breite Masse allmählich dieses ganze Lügengeflecht durchschaut und sich Gehör verschafft. Es ist nicht hinnehmbar, dass in unserem Land sich die eigentlich Schuldigen die Taschen voll stopfen und noch mit Millionen Bonis abgefunden werden, während die Armut ununterbrochen wächst. Wer noch ein Fünkchen an Moral besitzt, der darf nicht schweigen. Um es mit den Worten des Bertolt Brecht zu sagen: „Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“
Mit freundlichen Grüßen
Rigobert Hacker
