Offener Brief an den Aussenminister Westerwelle
Sehr geehrter Herr Minister Westerwelle,
ich bitte Sie um eine Antwort auf folgenden Brief:
Ich habe noch sehr gut in Erinnerung, wie Sie bei Ihrem Auftritt im Fernsehen sehr vehement die Sorge um die Verkäuferin zum Ausdruck brachten, die ja die Hartz-IV-Empfänger aus ihrem Gehalt finanzieren muss und daher einen Anspruch auf Gegenleistung hat. Meine Frage: Sind die Schulden, die die Banker im Zusammenhang mit Griechenland jetzt schon das zweite Mal der besagten Verkäuferin, dem Maurer, Lehrer, Polizisten oder dem Arzt aufgebürdet haben, als die gedachte Gegenleistung zu betrachten?
Ich weiß, Sie haben in Ihrer jetzigen Funktion als Außenminister nicht mehr mit derartigen Aufgaben zu tun, Sie sind aber einer der Urheber, dass es so ist, wie es ist.
Es wäre mit Sicherheit interessant, einmal die Verkäuferin selbst zu fragen, wen sie denn lieber bezahlen würde. Eines ist jetzt schon sicher, bei den Hartz-IV-Empfängern käme sie auf jeden Fall billiger weg. Aber nicht nur die Hartz-IV-Empfänger, sondern Sie selbst sind von diesen arbeitenden Leuten bezahlt, so wie die ganze Regierung. Ich werde das Gefühl nicht los, dass diese Tatsache nicht nur bei Ihnen, sondern bei allen Verantwortungsträgern in der Regierung abhanden gekommen ist. Wie sonst könnte man es sich erklären, dass die Schuldenberge, die sie nicht im Geringsten verursacht haben, aber tragen müssen und man sie bei den Profiten vergaß? Noch eine Aussage, die von Ihnen stammt und die ich auch aus dem Fernsehen habe: „ Dieser Staat hat Geld wie Heu“. Warum bezahlt denn der Staat nicht die Schulden, die er angehäuft hat, um damit die besagte Verkäuferin zu schützen und warum werden die Verursacher nicht in die Pflicht genommen? Die Menge „Heu“ wäre bei denen ein bisschen kleiner, sie wären aber trotzdem nicht arm.
Mit freundlichen Grüßen
Rigobert Hacker
